Stage!

Seit nunmehr zwei Wochen hab ich jetzt Stage – etwa so wie eine Famulatur ohne Blutabnehmen. In Frankreich gehört das fest zum Studium, man hat hier in Strassbourg immer 2 Monate Kurse und dann 2 Monate Stage.

Ich bin in der Ophthalmologie, sprich Augenheilkunde, im neuen Hopital Civil. Das ist gleich aus mehreren Gründen super… das Hopital Civil liegt mit dem Fahrrad nur ca 10 Minuten von zu Hause entfernt, die Ärzte sind meist geduldig und lehrwillig und zudem gefällt mir Ophtalmo viel besser als erwartet. Und es gibt noch einen weiteren Grund, für mich vielleicht der Wichtigste: Endlich nicht mehr endlos Freizeit!

Blöd, oder? Aber ich hab festgestellt, das zuviel Freizeit nicht optimal für mich ist. Super, wenn ich in der Zeit was machen kann, vorzugsweise mit netten Menschen, super, wenn ich einfach nur faul sein darf, super, aber nur solange sie nicht Überhand nimmt.

Und hier hatte ich halt ständig morgens frei, wenn auch garantiert kein andrer Freizeit hat, und musste ja eigentlich auch immer diese frustrierenden Skripte lesen…

Also, jetzt hab ich das Problem auf jeden Fall nicht mehr! Mein Stage geht jeden Tag von 8.30 (Dienstags 8.00) Uhr bis etwa zwölf oder eins und dann nochmal von zwei bis etwa fünf oder sechs. Das ist zwar nicht unendlich viel, aber es füllt den Tag ganz ordentlich.

Das Praktikum könnte also von vorne bis hinten super sein… wenn ich ein bischen mehr Französisch könnte… Klar: es wird besser, seit das Stage angefangen hat sogar relativ schnell, aber es reicht halt nicht. Es kommt total darauf an, wie viel Mühe sich mein Gegenüber gibt, aber ich hätte so viele Fragen… und ich würd auch gerne helfen, versteh aber immer alle erst beim dritten Mal oder falsch – da gehts meistens ohne mich eher schneller!

Ich bin in der Ambulanz eingesetzt, das ist wie eine riesige, gigantisch gut ausgestattete Augenarztpraxis. Es gibt eine Bereich für die normal Sprechstunde, die jeden Tag ein anderes Thema hat, z.B. ist Mittwochs Kindersprechstunde, Dienstag Erkrankungen der Netzhaut… Der andere Bereich ist für die Notfälle. Notfall ist jeder, der keinen Termin hat, egal, ob es sich um einen wahren Notfall oder eher um eine Nachkontrolle handelt. Es gibt insgesamt zwei Professoren, zwei Chef clinique (Oberärtzte) und etwa 6 Interne (vom Ausbildunsstand Assistenzärzte) und dabei in allen Rangstufen etwa soviel Frauen wie Männer! Ich bin eine Externe, also noch Studentin. Von uns gibt es auch relativ viele, wie viele genau kann ich nach zwei Wochen immer noch nicht sagen… es wechselt ständig, die einen sind nur Vormittags da, die anderen haben zu bestimmten Zeiten Kurse oder Klausuren oder einfach keinen Bock… es sind bestimmt 8 bis 10, aber es kann durchaus vorkommen, das wir nachmittags nur zu zweit sind…

Für mich ist es eigentlich ganz gut, wenn es grad nicht so viele sind, dann werde ich auch mit eingespannt. Wenn viele Französische Externe da sind, ist es halt einfacher, wenn man schnell die um etwas bittet, die das dann auch verstehen… das ist gar nicht böse gemeint, aber manchmal ist es halt hektisch, wie es im Krankenhaus wohl überall auf der Welt ist.

So wechselt mein Gefühl bei der Sache halt von Stunde zu Stunde. Highlights der ersten zwei Wochen:

Einen Vormittag mit einem der Oberärzte rumgegangen… nachdem er mir am Morgen zwei oder drei echt simple Aufträge erteilt hat (Tupfer holen…) und ich nur Chaos gemacht hab, war er überzeugt, das ich kein Wort Französisch kann. Also hat er den restlichen Vormittag kein Wort mehr mit mir gesprochen, ich hätte genausogut nicht da sein können. Der anderen Externen hat er aber viel erklärt, sodass ich trotzdem was aufgeschnappt hab. Nachmittags bin ich dann wieder zu ihm und der erste Patient hat gefragt, wer ich denn wäre. Er: das ist eine chinesische Studentin, sie versteht kein Französisch. Zu mir: du bist doch Chinesin, oder?

Tja, war ihm auf jeden Fall ziemlich peinlich, zumal ich mich inzwischen auf ihn “eingehört” hatte und richtig wach war und daher relativ fließend geantwortet hab… ab da war er supernett und das nächste Mal (das war Freitag) hat er sich sogar bemüht mit mir deutsch zu reden!

Anderes Highlight: ein Tag in der Notaufnahme. An dem Tag waren besonders wenig Externe da, deshalb war ich mit der Assistenzärztin allein. Normlerweise sind dort zwei Externe… die Französisch sprechen… Da hab ich mich ganz schön blöd gefühlt, denn helfen konnte ich ihr nicht wirklich, nur im Weg rumstehen, alles falsch verstehen und dummes Zeug machen, Fragen stellen, aber die Antwort nicht verstehen… ich werd vorerst nicht mehr allein in die Notaufnahme gehen…

Dann sind da aber immer mal Tage, an denen es schon ganz gut läuft, wo ich wirlich was lerne und das Gefühl hab, das es mit der Sprache doch eigentlich ganz gut klappt. Und einmal die Woche haben die Externen der Ophtalmo einen von den Profs organisierten Kurs, der ist immer super! Die Gruppe ist klein, sie nehmen sich Zeit und beantworten alle Fragen. Da versteh ich auch immer fast alles, es ist viel leichter, jemanden zu verstehen, der einen Vortrag hält, als das zwischen- Tür- und- Angel- Genuschel in der Ambulanz…

Die anderen Externen sind nett und unkompliziert, so kann ich, wenn grad ein anderer greifbar ist, auch immer nochmal in Ruhe nachfragen, was der Arzt jetzt gesagt hat…

Was mir sehr positiv ausfällt ist, das die Hirarchie längst nicht so ausgeprägt ist, wie ich es aus Deutschland kenne. Klar; jeder hat seiner Position entsprechende Aufgaben, natürlich arbeiten die Profs anders als die Assistenzärzte. Aber man hat nie das Gefühl, das einer mehr oder weniger wert ist, man lässt nicht alles stehen und liegen,wenn der Chef reinkommt, alle duzen sich und auch die Profs erklären einem gerne ohne das man dabei das Gefühl hat eine Almose zu bekommen.

2 Antworten zu „Stage!“

  1. Nelli sagt:

    “Die ist Chinesin, die versteht kein Französisch!” – hahaha :-) )

  2. Pirkko sagt:

    hallo liebste chinesische austauschstudentin,

    ich will bloß mal hallo sagen und drück dich aus der ferne!

    liebe grütze,
    pirkko :)

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