Mein erstes Wochenende allein in Strasbourg – ich hatte ja schon etwas Bedenken! Tobi nicht da, und zudem ist Aurore seit Donnerstag ihren Freund in Mainz besuche…
War aber alles unbegründet, abgesehen davon, das Tobi nicht da war, war das Wochenende große Klasse!
Angefangen hat es schon Donnerstag abend, denn Freitag hatte ich frei, hehe. Donnerstag in meinem schon angesprochenem zweiten Sprachkurs hab ich einen netten Polen wiedergetroffen, den ich schon am ersten Tag kennengelernt hatte ( er gehörte zu denen im Kurs, die besser als ich waren). Der hat mich nach dem Kurs mit zu einem Treffen aller Studenten getroffen, die in irgendwelchen katholischen Organisationen untergebracht sind. Dort gabs neben leckerem Kartoffelsalat und Kuchen Infos über die Aktivitäten der verschiedenen Organisationen. Hört sich alles gut an, konnte ich mir leider so schnell nicht merken, aber es gab ein paar Flyer und natürlich Internet… Die Stimmung war gut und wenn ich nicht sowieso langsam eher zu viele als zu wenig Termine hätte, könnte ich mir meinen Plan so richtig schön mit kirchlichen Aktiviäten vollpacken. Auf dem Heimweg hab ich mir dann einen echten Fauxpass geleistet. Aurore hatte mir Freikarten fürs Kino dagelassen und da ich nicht gerne allein gehe, dachte ich ich frag mal den netten Polen… Der hat sich aber irgendwie einfach nur plump angemacht gefühlt… glaub ich zumindest, auf jeden Fall war er plötzlich so was von schnell weg… Ich fürchte ich muss das beim nächsten mal graderücken…
Nachdem es Donnerstag den ganzen Tag wie in Strömen gegossen hatte (zum ersten mal seit ich hier bin) war Freitag wieder göttliches Herbstwetter. Und ich bin ausgeritten! Mit dem Hochschulsport – der ist echt superklasse! Wir sind am Campus mit einem Minibus losgefahren, ab in die Vogesen. Der Reitlehrer, der uns auch gefahren hat, war echt nett, gefahren ist er allerdings… rasant. Aber glückllich angekommen war ich hin und weg: Eine wunderbare Reitschule am Rand der Vogesen und ausgeritten sind wir auf Norwegern: kräftig, zuverlässig aber zumindest in meinem Fall nicht langweilig. Da alle (wir waren zu sechst) reiten konnten, sind wir in allen drei Gangarten geritten und hatten die eine oder andere wunderbare Galoppstrecke… Und die Vogesen leuchteten mal wieder in allen Farben! Mein Pferd hieß Cibelle und hatte einen ordentlichen, aber sehr gut regulierbaren Vorwärtsdrang. Im Galopp konnten wir zusammen fliegen… es war einfach herrlich! Und dabei aber keineswegs eine kopflose Raserei, sondern in gutem Tempo und die Pferde sind auch fast immer schön hintereinander geblieben. Zwischendurch sind wir an einem grandiosen Aussichtspunkt vorbeigekommen. Die Pferde hatten dann etwas Pause, während wir hinaufgeklettert sind. Ein Mädel hat auch alles auf Bildern festgehalten, vielleicht schickt sie sie ja noch, dann stell ich sie hier rein. Runter gings dann zu Fuß, da unser Weg wegen Forstarbeiten gesperrt war und wir daher einen ziemlich steilen Weg nehmen mussten. Auch das ging mit meiner goldigen Cibelle wunderbar, sie hat nicht gedrängelt oder gezogen, sondern ist immer brav hinter mir geblieben. Ein wirklich unvergesslicher Ausritt, der es auf meiner persönlichen Hitliste vielleicht sogar bis ganz nach oben geschafft hat.
Der Samstag war ebenfalls super: Julia, eine von den Gießenerinnen hatte ihren Freund zu Gast und der hat ein Auto mitgebracht. Das haben wir genutzt, um damit in die Vogesen zu fahren. Um 9.30 Uhr gings zusammen mit Julia und ihrem Freund, sowie Hannah (die andere Gießenerin) und Christine fast direkt vor meiner Tür los. Ziel war ein kleines Örtchen in der Nähe der Haut Koenigsbourg, der bekanntesten Burg des Elsas. Die Wanderung war wunderbar, wir sind erst noch auf einen kleineren Berg gegangen, von dem aus man dank eines Art Hochsitzes auch schon einen schönen Blick hatte, und dann auf den Berg mit der Burg. Das Wetter hat und mal wieder nicht im Stich gelassen und die Farben… ich weiß, ich wiederhole mich. Wunderbar!
Die Burg ist auch ein echtes Prachtstück! Anfang des 20. Jahrhunderts war sie kaum mehr als eine Ruine, wurde dann aber aufwändig und mit damals neuster Technik restauriert. Jetzt ist sie wirklich beeindruckend und vom großen Wachturm aus hat man einen wunderbaren Blick über die Vogesen.
Danach gings wieder zurück, zum Glück erwiesen sich die Bedenken, ob wir es noch im Hellen schaffen als unbegründet. Den letzten Kilometer führte uns der Weg durch die Weinberge, die sich zur Zeit auch farbenprächtig-bunt präsentieren. Außerdem konnte man leckere Trauben naschen…
Insgesamt war die Wanderung nicht so kurz wie geplant (ca. 18 km) aber mit nicht so viel Höhendifferenz und auf Wege, auf denen auch Nico gut laufen konnte. Eine wirklich gelungene Tour.
Und heute hatte uns Christine zu einer vom Studentenwerk organisierten Schatzsuche angemeldet. Die war echt witzig und gut organisiert. Wir sind in Gruppen von ca. 10 Leuten losgezogen und mussten uns in 4 Vierteln von Strasbourg (rund um den Place de la Republique, Center, Petite France und Krutenau) jeweils einen kleinen Fragebogen abholen und vor Ort beantworten. Ehrlich gesagt hab ich nicht immer wirklich verstanden, wer grad was und vor allem woher wusste, aber witzig wars und ich bin zum ersten mal in Krutenau gewesen. Am Ende haben wir nach einem Endspurt dann auch noch gewonnen und den Schatz im Botanischen Garten in einer Baumhöhle gefunden. Jetzt hab ich zwei Kinofreikarten…
Danach gabs noch Kuchen und Getränke in einem Uni-Bistro… und eine fesche Urkunde für alle Teilnehmer, auf der ich mal wieder als Mann stehe… Nicola ist hier halt kein Mädchenname!
Insgesamt ein super Wochenende! Auch wenn ich nicht weiß, wie viel mir die Zeit medizinisch gesehen bringt, Freizeitmässig hat es sich jetzt schon gelohnt hierherzukommen!
Oktober 21, 2008 um 7:28 am
soso das nennt sich also auslandssemester: klettern, natur, sonnenschein, crepes….ich sollte auch medizin studieren
ich habe eine wohnung!!! bad und küche sind sogar schon gestrichen, man staune. und ich habe auch nur einmal den farbtopf umgekippt.
liebste pirkkogrüße
ps: ich hoff von dir zu hören
Oktober 22, 2008 um 6:51 pm
mhm. hast du ehrlich damit gerechnet, dass es studientechnisch viel bringen wird? Ich nämlich mal so gar nicht. Und außerdem ist es doch viel wichtiger, dass du so eine tolle Zeit hast! Ich freu mich jedenfalls sehr für dich! Und würde auch gerne mal in den Vogesen mit dir wandern gehen